Torfabbau im Plattenmoos

Im Zeitalter der Zentralheizung, die größten­teils durch Öl und Gas betrieben werden haben nur noch wenige Menschen eine Erinnerung daran, dass unsere Vorfahren als Brennmaterial neben Holz, Reisig und Tannenzapfen aus den heimischen Wäldern auch „Torf“ aus den na­hegelegen trockengelegten Mooren verwende­ten. Als Torf bezeichnen wir ein organisches Sediment, das sich in einem mehre Jahrtausend dauernden Prozess durch die Zersetzung von abgestorbenen Torfmoosen und anderen torf­bildenden Pflanzenteilen überwiegend in Moo­ren bildet. Auf der Hochebene der Baar liegen die nennenswerten, häufig auch als Moos be­zeichnete Moore. Es sind dies das Schwenninger Moor, das Wuhrholz bei Hüfingen, das Un­terhölzer Moor beim Wartenberg, das Blumen­moos bei Friedenweiler und sowie auch das Plattenmoos.

Das Plattenmoos, das auf 752 m u.d.M. liegt und sich über 56 ha Flä­che erstreckt, lieferte über Jahrhun­derte das Brennmaterial für die allermeisten Häuser im Brigachtal. Bereits im 17. Jahrhundert wurde an ver­schiedenen Stellen Torf als Brennstoff im Plattenmoos abgebaut oder wie es heißt „gestochen“ wurde. In den Ge­meindeakten von Überauchen ist dies ab 1805, Jahr für Jahr bis zum Einstellen des Torfste­chens im Jahr 1936 akribisch festgehalten und somit wissen wir sehr genau, welchen Nutzen der „Torfstich“ den Bürgern von Überauchen brachte. Das Stechen des Torfes war Schwerstar­beit, da die Back­steingroßen „Boschen“, wie die Torfstücke ge­nannt wurden, in Handarbeit mit einem speziellen Stechgerät Stück für Stück aus dem Moor abge­stochen wurden. Die Arbeit war nicht ungefählich, denn es konnte passieren, dass ein Boschenstecher im Moor einsank und alleine verloren gewesen wären. Deshalb musste immer eine zweite Person da­bei sein um den Eingesunkenen aus dem Moor zu ziehen. Die Tagesleistung eines sol­chen Arbeitsteams betrug 3000 bis 4000 Stück.

Die abgestochenen „Torf-Boschen“ wurden speziellen Schubkarren zum Trocknen von der Abstichstelle transportiert. Die auf Hau­fen von 1000 Stück aufge­schichtet und ei­nige Zeit an der Luft trocknen mussten, bis diese dann versteigert und vom Käufer abtransportiert wurden um, dann im Ofen verbrannt zu werden.

In der Hochzeit des Torfabbaues wurden jähr­lich bis zu 400.000 Stück Boschen gestochen, deren Erlös dann die Gemeindekasse füllte. Neben dem Verkauf von Holz und Tonerde war der Verkauf von Torf eine wichtige Ein­nahmequelle der Gemeinde. Aber auch als Ar­beitsplatz war das Plattenmoos begehrt, denn die Torfstecher wurden viel besser bezahlt als die übrigen Taglöhner.

Interesssantes: 
Das Plattenmoos ist heute Teil des Naturschutzgroßprojektes Baar, das durch geeignete Maßnahmen die Wiedervernässung durch Sperrenbau und Biotopgestaltung durch Gehölzauslichtung, einen Waldumbau zum Moorwald geschaffen hat.