Die Mühle zu Klengen - Ort des Bauernaufstandes im Brigachtal
Im Laufe des Mittelalters geraten die einst freien Bauern mehr und mehr in wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit von Adel, Städten und Klöstern. Sie wurden Leibeigene und Untertanen, die auf Gedeih und Verderb einer Obrigkeit ausgeliefert waren, die auf Kosten der geschundenen Landbevölkerung ein feudales Leben führten. So kam, was kommen musste. Die unterdrückten Bauern versuchten den Aufstand gegen die Obrigkeit. Die folgende Geschichte erzählt von der Klengener Mühle als Ort des Bauernaufstandes in der Klengener Mark.
Also die Sache ist die, dass Anfang des 16. Jahrhunderts die meisten Leute bei uns noch auf dem Lande lebten, Bauern waren und wenig zu lachen hatten. Denn sie waren es, die all die großen Werke, die wir heute noch bewundern, die Münster, Dome und Klöster, die Universitäten und Badestuben, die Kriege, Siege und Niederlagen, letzten Endes bezahlen mussten, ohne mehr dafür zu bekommen als Hohn und Spott der Städter, der Fürsten und Geistlichen. Sie mussten mehr Steuern und Abgaben zahlen als wir heute, mussten Brenn- und Bauholz abliefern, Frondienste leisten und als Landsknechte in den zahlreichen Kriegen für andere die Kastanien aus dem Feuer holen.
Und weil die Menschheit sich auch in den Dörfern wacker vermehrte, blieb immer weniger für den einzelnen übrig, und schon eine Missernte konnte aus einem Bauern einen Hungerleider machen. Die Preise wurden in den Städten gemacht; der Getreidepreis fiel, und Pflüge, Eggen und andere Eisenwaren wurden immer teurer. Einem heutigen Landwirt wird das nicht unbekannt vorkommen. Nur gab es damals noch keinen Deutschen Bauernverband geschweige einen EU-Agrarfond und wenn sich die Bauern ihrer Haut wehren wollten, mussten sie sich zu illegalen Geheimbünden zusammenschließen.
Unter dem Zeichen des Bundschuhs, des Bauernstiefels, kam es schon 1493 im Elsass zu einem Aufstand, der aber verraten und blutig zusammengeschlagen wurde. Keine 10 Jahre später rumorte es in Südbaden. In Waldshut, Stühlingen, Bonndorf und Ewattingen rotten sich Bauern unter dem Anführer von Hans vom Bulgenbach zusammen. Bei den Bauern entlang der Brigach warb Hans Meder aus Riedheim um Leute für den Aufstand gegen die Obrigkeit und besonders gegen die Herrschaft aus Villingen aufzubringen. In der Klengener Mühle trafen sich die Aufständischen und verfassten 16 Punkte mit denen sie bei den Villinger Ratsherren vorstellig werden wollten, um das Joch der erdrückenden Leibeigenschaft und den Feudalabgaben abzuwerfen. Im Einzelnen forderten sie, dass das alte Recht der Allmende wieder gelten soll, das das Recht auf Fischerei und der Jagd allen Bürgern erlaubt, und kein Sonderrecht der Obrigkeit war. Vor allem begehrten sie gegen die immer mehr werdenden Abgaben, also den Großen und kleinen Zehnten, auf. Dieser hatte so zugenommen, dass den Bauern fast nichts mehr für den eigen Bedarf blieb. In Basel wurde eine weiß-blaue Fahne bestellt, denn eine Fahne war damals schon das Wichtigste, wenn sich Deutsche zusammen taten. Auf ihr war der gekreuzigte Christus abgebildet, zu seiner einen Seite ein Bundschuh, zu seiner anderen ein kniender Bauer. Und darüber stand: „Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes.“ So etwas hören weltliche und geistliche Herren nie gerne. Denn die Gerechtigkeit ist ihr Privileg, da haben der gemeine Mann oder gar Gott nicht mitzureden. Auch die Losung der Verschwörer klang wenig nach innerer Sicherheit. „Was ist er nun für ein Wesen?“ fragte der eine, und der andere, wenn er zum Bundschuh gehörte, antwortete: „Wir mögen vor Adel und Pfaffen nicht genesen.“ Wen wundert’s, dass die Villinger lange zögerten bis sie die Abordnung aus dem Brigachtal in die Stadt einließen, so dass diese das Pergament mit ihren 16 Forderungen an den Rat übergeben werde konnte. Doch man schickte die ungehobelten Abgesandten aus den Umlandgemeinden rüde nach Haus und vertröstete sie mit dem Hinweis „Man werde alles wohlwollend prüfen“. Die Brigachtaler hätten es aber wissen müssen, dass dies nur bedeuten konnte, dass die Villinger gar nicht daran dachten nur in einem Punkt nachzugeben. Und so kam, was immer kommt, die Ratsherren in Villingen zogen die Verhandlungen in die Länge und lehnten die Forderungen der rebellischen Bauern am 18. und 25. November in einer Ratssitzung ab. Daraufhin zogen am 28. November die Aufständischen nach Dürrheim und Hochemmingen und warben um Gleichgesinnte. Als die Villinger merkten, dass die Bauern sich nicht mit "Nichts" abspeisen lassen wollten, da musste man ihnen halt zeigen wer der die Obrigkeit ist. Am 14. Dezember 1524 um 12.00 Uhr zogen die Villinger zu Ross und zu Fuß mit 400 Mann und 5 Feldschützen durch das Niedere Tor das Brigachtal hinab, Donaueschingen zu. Als der Zug ins „Pfaffental" kam, es ist der Taleinschnitt zwischen Aufen und Donaueschingen, da mussten die Bauern erkennen, dass sie gegen ein derart martialischen ausgestattetes Feind mit Dreschflegeln und Mistgabeln nichts ausrichten konnten. Jetzt ging‘s nur noch um die Rettung des nackten Lebens. Die meisten Bauern warfen größtenteils ihre primitiven Waffen weg, flohen den Pfaffenberg hinauf in Richtung Wolterdingen um sich zu verstecken. Als die Villinger Mannen sahen, dass die Bauern flohen setzten sie ihnen nach. Wer nur den Anschein gab, dass er sich gegen die Uniformierten wehren wollte, der wurde mit den messerscharfen Bajonetten erstochen oder mit einer Kugel für immer an der Flucht gehindert. Daraufhin herrschte einstweilen Ruhe im Brigachtal. Die Mehrzahl der Bauern zog es vor, sich zu ergeben und in Verhandlungen einzutreten. Am 3. Februar 1525 willigten die Brigachtaler in den Villinger Anlass ein und alle schwuren denselben zu halten was mit der Unterschrift von Jörg Schnider, Marcus Niggel, Barthlome Eberlin, Barthlome Staiger, Jakob Riegger und Mathis Held. für Klengen feierlich beurkundet wurde. Damit zog für kurze Zeit Ruhe im Ort ein.
Der Bauernkrieg - Teil II
Nachdem sich die Mehrzahl der Bauern ergeben hatte, und auch die Brigachtaler in den „Villinger Anlaß" einwilligten und den Schwur geleistet hatten, dass sie denselben auch einhalten werden, war vorerst Ruhe im Dorf. Doch der Frieden war trügerisch. Wer hätte auch gedacht, dass gerade bei einem kirchlichen Feiertag die Villinger an zwei besonders hartnäckigen Bauern ein Exempel statuieren werden, und das noch auf fremden Territorium, und zwar in Kirchdorf. Kirchdorf gehörte damals zu den Fürstenbergern und nicht zur den Herren in Villingen.
Die Sache war die, dass am 29. Mai 1525 inKirchdorf die Nachkirchweih stattgefunden hatte. An dem Tage war ein festlicher Gottesdienst für die Verstorbenen abgehalten worden, an dem auch etliche Pfarrer aus Villingen teilgenommen hatten. Auf dieser Kirchweihe waren auch zwei von Villingen abgefallene Bauern aus Klengen erschienen. Der eine hieß Bartle Staiger und war Wirt in Klengen, der andere hieß Jakob Isellin (Eisele), genannt der Beringer. Die Villinger erfuhren davon und zogen mit 60 Reitern nach Kirchdorf. Im Wirtshaus wurde der Bartle Staiger ergriffen und gefangengenommen, der Andere flüchtete in den Turm. Isellin hatte eine Büchse bei sich, aber kein Feuer, deshalb warf er mit Steinen. In Villingen wurden über 200 Mann zusammengetrommelt und kamen nach Kirchdorf. Der im Turm gefangene Beringer schrie: „Das müsse sein Kirchdorf sein (d. h. er wolle sich wehren bis zum Tode)." Er wehrte sich tapfer; denn er wusste wohl, was ihm bevorstand. Da schoss einer namens Martin Hering hinauf und traf einen Balken; die Kugel sprang ab und traf den Beringer an die Schläfe, so dass er blutete und sich gefangen gab. Die beiden Gefangenen brachte man nach Villingen. Dort wurden sie mit „großer Freude" wie ein „Feind und Verräter" empfangen.
Dem Bartle Staiger wurden die Hände auf dem Rücken zusammengeschnallt und an einer Aufzugsvorrichtung festgebunden und in die Höhe gezogen. Dann wurden dem Gefolterten Geständnisse erpresst, die aufgeschrieben wurden. Das gleiche geschah auch mit dem Beringer. Nach der Ankunft des Nachrichters aus Rottenburg ließ man die zwei Gefangenen am 8. Juni hinrichten. Man brachte beide, erst den Bartle Staiger, dann den Beringer auf den Marktplatz und stellte sie nebeneinander. Der Stadtknecht mit Namen Matthias Silber schrie: „Schweige jedermann still!"
Der Stadtschreiber Johann Kling verlas das Geständnis des Bartle Staiger: „Meine Herren Hintersaß (Untertan) hat gebrochen einen Eid und ist meineidig geworden an seinen Herren zu Villingen. Trotz des geschworenen Anlasses am 3. Februar ist er wiederum zu dem Schwarzwälder, den rührigen Bauern Hauptmann Hans Müller gelaufen und hat denselben gebeten, zu ihnen zu kommen, damit sie vom Anlass entledigt würden und denselben nicht halten müssen. Als Müller ihnen Hilfe zugesagt, versprach Staiger ihm wiederum Rat und Hilfe, wo und wie Villingen am besten von den Bauern eingenommen und erobert werde konnte. Wäre dies gelungen, so hätte man die Villinger nach Will und Gemüt erwürgt und erstochen, insbesondere den Altbürgermeister Konrad Werner. Man sagte, würde man die Stadt aufgeben, so würde man alle Klöster zerstören und alle herein in die Stadt Geflüchteten müssten in der Bauernstrafe stehen. Als die hegauischen Bauern zu Ewattingen lagen, ging Staiger auch zu denselben, trug den Anlass bei sich, begehrte ihren Rat und bat sie, Villingen einzunehmen, damit sie vom Anlass kämen. Solch frevtlich boshafte Handlungen wegen hat der Rat von Villingen, kraft der von Kaisern und Königen, befehligt, der Nachrichter soll seine Hände binden und hinaus an die gewöhnliche Richtstätte führen. Er soll ihm seinen Leib mit dem Schwert teilen, so dass der Leib das größere und das Haupt das kleinere Teil bleibe, die Seele Gott dem Allmächtigen und den Leib dem Erdreich befehlen".
Als der Stadtschreiber mit dem Verlesen aufhörte, schrie Bartle Staiger mit lauter Stimme: „Ich bitt Euch fromme Herren von Villingen, wollet mir lauterlich um Gottes willen alles verzeihen, was ich getan habe."
Hierauf verlas der Stadtschreiber das andere Geständnis von Jakob Isellin und sprach: „Höret zu, Jakob Isellin von Klengen, den man nennt den Beringer, hier zugegen, hat bekannt ledig und los, ungezwungen dies Nachfolgende:
„Zum ersten hat er Einen ermordet im Eschinger Wald bei einer großen Tanne und bei ihm 5 Gulden gefunden, denselben auch selbst begraben. Zum andern ist er dem Wirt von Klengen in sein Haus gestiegen und hat ihm auch zehn Gulden gestohlen; zum dritten ist er auch meineidig geworden an seinem Herrn, ist ohne deren Wissen und Willen zu Hans Müller, der Bauernhauptmann gelaufen und hat ihn gebeten, ihn in seine Bruderschaft aufzunehmen. Er hat dem Hans Müller auch verheißen, von ihm nicht zu weichen, bis die Stadt Villingen gewonnen werde, und hat Villingen um 200 Gulden verraten. Beringer wurde mit Urteil dem Henker zuerkannt, ihn in vier Stücke zu hauen, weil er ein Dieb, ein Brandstifter und ein Verräter war."
Nach dem Urteil wurden die beiden Übeltäter an den Nachrichter übergeben. Über 500 Mann, je 5 Mann waren in einem Glied, gingen bewaffnet zur Richtstätte hinaus; denn Hans Müller stand mit seinem Haufen in der Nähe (Neustadt). Unter Trommeln und Pfeifen zog man hinaus und ließ den Henker das Urteil vollstrecken. Nach 10.00 Uhr zog man wieder in die Stadt zurück. Schließlich brachte eine vollständige Niederwerfung den Bauern anstatt Erleichterung eine noch drückendere Abhängigkeit. Die Bauern müssten noch über 250 Jahre warten, in Abhängigkeit und Frondiensten schmachten, bis es ihnen endlich im 19. Jahrhundert gelang, das so heiß umstrittene Ziel zu erreichen.
Um die Erinnerungen wach zu halten, wurde die Mittelaltergruppe "Bundschuh" gegründet, die bei besonderen Anlässen Szenen des Bauernkrieges nachspielt.
Diese Gruppe war auch Initiator des Geschichtspfades, der an der Mühle zu Klengen beginnt.
Die Mühle zu Klengen existiert noch und ist im Besitz der Familie Käfer, die eine Landwirtschaft betreibt.
Im Jahr 1911/12 ließ Johann Nepomuk Käfer die Wasserräder entfernen und durch Turbinen ersetzen. Diese Turbinen betrieben sowohl die Mahlwerke als auch einen Generator, der Strom erzeugte. Somit war die Mühle in Klengen auch das erste Kraftwerk für die Orte Klengen, Kirchdorf und Überauchen.