Der Ententurm

In Überauchen, direkt an der Brigach stand einst ein aus Stein errichteter Turm, der Ententurm. Heute ist noch ein einziger Stein das Zeugnis der Vergangenheit. Nach historischen Aufzeichnungen soll dieser Turm zunächst eine mittelalterliche Wehranlage gewesen sein. Er lag vor den Toren des Brigachtaler Teilortes Überauchen und wurde später wohl als Wohnturm genutzt. Erst beim Bau der neuen Verbindungsstraße Kreisstraße 5712 von Klengen nach Überauchen, die in den Jahren 1985/1986 erfolgte, rückte das wohl älteste Gebäude Brigachtals ins Gedächtnis zurück, da man wenige Überreste fand. Heute verläuft die Verbindungsstraße über den ehemaligen Standort.

Der letztmals anno 1704 erwähnte Turm wurde wahrscheinlich Ende des 18. Jahrhunderts teilweise abgerissen. Die abschließende Beseitigung wurde gründlich durchgeführt, wobei sogar große Teile des Fundaments entfernt wurden. Wie historische Aufzeichnungen zu entnehmen ist, berichtet Aloys Ludwig Hirt (* 1837 in Behla): „Wie ich mich aus meiner Jugend erinnere, ist der alte Turm von meinen Vettern aus Überauchen als letzter Rest der Hirschen-Familie abgebrochen worden, um die Quader zum Mühlenbau zu benützen“. 

Laut Aufzeichnungen hatte der Ententurm noch Anfang des 18. Jhd. bestanden. 

Wann die Erbauung erfolgte, ist nur auf einen bestimmten Zeitraum festzulegen. Das Gemäuer ist vergleichbar mit den Steinen der Villinger Stadttore. Diese lassen sich auf die Jahre 1150 bis 1200 datieren. 

Es wird vermutet, dass der Besitzer der Ortsadel war, der in Überauchen in den Jahren 1078 bis 1111 sesshaft gewesen ist. In diesem Zusammenhang wird immer wieder ein Ulgerus de Überach genannt. Da in manchen Aufzeichnungen von einem Schlösschen die Rede ist, wäre es naheliegend, dass es sich tatsächlich um Ortsadel gehandelt haben könnte. Im Jahr 1132 ging der Besitz Heinrich von Staufenberg jedenfalls an das Kloster St. Georgen. Ab dem Jahr 1213 war auch das Kloster Salem im Ort begütert. Herrschaftlich stets eng mit Klengen verbunden, kam Überauchen wohl mit dem wartenburgischen Erbe an die Fürsternberger und 1326 dann an Österreich. Alt-Überauchen gehörte fortan zum Gebiet der Stadt Villingen und hatte die gleiche Verwaltungszugehörigkeit wie Villingen, die bis ins 20. Jahrhundert andauerte.

Info: Die Ententürmler sind heutzutage eine Gruppe, die bei historischen Umzügen und Veranstaltungen in loser Folge immer wieder in Erscheinung treten. Bekleidet ist ein Ententürmler mit Kettenhemd und Eisenhandschuh - so wie die Söldner im 14. Jahrhundert. Die Gruppe möchte so die Geschichte an den Turm wach halten. und denkt sogar über einen Wiederaufbau nach.