Verkehrsplanung

Ortsumfahrung - Studie zeigt grundsätzliche Machbarkeit auf

Mit breiter Mehrheit stimmte der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 14.02.2017 dem Ergebnis der überarbeiteten Machbarkeitsstudie für eine Ortsumfahrung Marbach/Brigachtal zu. Lediglich zwei Räte stimmten dagegen, die Verwaltungen der Beteiligten (Brigachtal, Villingen-Schwenningen und Landkreis SBK) zu beauftragen, gemeinsam beim Land Baden-Württemberg vorstellig zu werden, um eine weitere Fortführung der Planungen auf dieser Grundlage zu erreichen.
 
Die Ergebnisse der überarbeiteten Machbarkeitsstudie wurden in der Sitzung vor etlichen interessierten Zuhörern von den Vertretern des Fachbüros „Brilon-Bondzio-Weiser“, Bochum/Rottweil in Kooperation mit „Bosch & Partner“ aus Herne in einer ausführlichen Präsentation vorgestellt.
Unter der Federführung der Stadt Villingen-Schwenningen war bereits 2104 eine Machbarkeitsstudie gemeinsam von der Stadt, der Gemeinde Brigachtal und dem Landkreis in Auftrag gegeben worden. Diese sah eine über Marbach und Brigachtal führende bahnnahe Nord-Süd-Umgehung – die sogenannte „Westtangente“ - vor, ergänzt um eine Ost-West-Verbindungsspange, die zwischen Marbach und Kirchdorf in Richtung B33 führen soll, bei gleichzeitigem Rückbau der Kreisstraße K5734 in Richtung Bad Dürrheim.
 
Auf der Grundlage des aktuellen Gemeindeentwicklungskonzeptes, wonach künftige Entwicklungspotenziale schwerpunktmäßig im Osten der Gemeinde liegen, war das Verkehrskonzept 2016 überarbeitet worden. Die bisher präferierte bahnparallele Trassenführung in Brigachtal wurde durch eine „Ostumfahrung“ ersetzt. Für den Bereich Marbach ergeben sich dadurch keine spürbaren Änderungen.
 

Zum Hintergrund:

Da es sich bei den betroffenen Straßen um Landes- bzw. Kreisstraßen handelt, war mit der Stadt Villingen-Schwenningen und dem Landkreis vereinbart worden, zu prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen ein solches Projekt überhaupt realisiert werden könnte. Die Aufgabenstellung der Machbarkeitsstudie war die Ermittlung und Dimensionierung einer möglichen Trasse, die Gestaltung der Knotenpunkte, die schalltechnische Untersuchung, die Beleuchtung der Fachbereiche Natur- und Landschaft, die Zusammenfassung der Konfliktschwerpunkte sowie eine Kostenprognose.
 
Die überarbeitete Machbarkeitsstudie kommt im Rahmen der Konfliktanalyse jetzt zum Ergebnis, dass das Vorhaben grundsätzlich möglich ist, jedoch auch Hürden im Bereich Trassenführung und naturräumlicher Restriktionen bestehen. Sie zeigt aber auch positive Effekte durch einen Rückbau der jetzigen Kreisstraße K5734 zwischen Marbach und Bad Dürrheim auf. Die Gesamtkosten des Projektes werden auf ca. 44,4 Mio. Euro geschätzt. Ca. 15,5 Mio. Euro entfallen auf die Westtangente Marbach, ca. 12,9 Mio. Euro auf die Osttangente Brigachtal, ca. 10,2 Mio. Euro auf die Ost-West-Verbindungsspange sowie ca. 5,8 Mio. Euro auf Planungs- und Nebenkosten.
 
Die Machbarkeitsstudie ist die erste Stufe eines mehrstufigen Planungsverfahrens. Das Suchverfahren ist so zu verstehen, dass in Abwägung der unterschiedlichen Belange und Schutzgüter die mit dem vorgeschlagenen Trassenkorridor verbundenen Konflikte möglichst gering sind. Die Ausarbeitung der konkreten Trassenführung mit Knotenpunkten und Brückenbauwerken im Einzelnen ist erst im Rahmen weitergehender Planungen möglich. Auch können dann erst detaillierte Kostenberechnungen gemacht werden.
 
Klar ist, dass es sich um ein langfristiges Projekt handelt, das sehr weit in die Zukunft gerichtet ist. Eine Umsetzung hängt davon ab, dass sich das Land und der Landkreis das Projekt zu Eigen machen. Auch die Finanzierungsfrage ist noch völlig offen. Die große Mehrheit des Gemeinderates ist aber der Auffassung, dass die Gemeinde ihr Entwicklungspotenzial nur mit einem neuen Verkehrskonzept ausschöpfen kann. Ziel dabei ist die Entlastung der Ortsdurchfahrt und die Anbindung neuer Entwicklungsflächen in Richtung Osten. Natürlich wird es bei einem solchen Projekt immer auch mehr oder weniger ausgeprägte Betroffenheiten geben, wie etwa für in Trassennähe liegende landwirtschaftliche Hofstellen oder auch Wohngebiete.

Nachdem im Frühjahr 2017 dann auch die Gremien der Stadt Villingen-Schwenningen und des Schwarzwald-Baar-Kreises dem Konzept zugestimmt haben, geht es nun darum, das Thema gemeinsam auf die Ebene des Landes Baden-Württemberg als primär zuständigem Straßenbaulastträger zu bringen. Ziel ist die Aufnahme der Umgehungsstraße in den Generalverkehrsplan des Landes. Bis zu einer Umsetzung ist es dann je nach Priorisierung immer noch ein langer Weg.